Xmas 2009

 

 

STALLNACHT MIT BAUM, KUNST ALS FRAGE



 

Aus der Serie schenkformatiger Tütenbilder
Copyright (c) Tetjus Tügel

Stallnacht mit Baum, Kunst als Frage - Eröffnungsrede zum 19. Dezember 2009 von Tetjus Tügel


... wir wünschen Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest, losgelöst von parteireligiösem Scheuklappendenken, da es um die Liebe im übergeordneten, höchst zivilisierten und zugleich schlichten Sinne geht.

Um den Raum zunächst einmal vom stickigen Atem konfessionell verkrampfter Dogmatiker zu befreien, öffnen wir in der Stallnacht Türen und Fenster - und lüften.

Schnell strömt die Aufgeschlossenheit für das Fremde und Fremdartige ins Innere des Stalls, ohne davor Schiß zu bekommen und mit der Gewißheit, daß sich auch ein Buddha über die Geburt des Jesuskindes freut wie wir - zusammen mit allen, die ein geradliniges Verhältnis zu Überlegungen und Empfindungen haben, wie Denker, Forscher, Herzensmenschen - mit raumfüllender Wahrnehmungsfähigkeit und Akzeptanz künstlerischer Rätselhaftigkeit.

Kunst als Frage

Kunst hat eben nicht, wie oft vermutet, immer nur Antworten parat. Auch hat sie ähnliche Fragen und Zweifel wie wir sie verbergen oder auch beherbergen. Horchen wir tiefer in uns hinein, ahnen wir ja schon das Rätselhafte, das Unbeantwortete, und manchmal auch Fremde.

Wenn wir nicht allzu bekloppt sind, lernen wir mit diesem Phänomen der Undurchschaubarkeit und Unberechenbarkeit zu leben, es produktiv zu machen, indem wir über das schwer zu Entschlüsselnde kommunizieren. So wie wir den Heiligen Abend, nach Überwindung der ersten Konsumklage, als metaphysisches Rätsel empfinden und uns hierüber mit Worten und Gesten verständigen, kann auch die bildende Kunst zu einem markanten Bestandteil von Kommunikation werden.

Kunst als komplizierter Konsumartikel

Wir fliehen immer wieder gern aus dem Glashaus der Innerlichkeit in den Diskurs, und zwar direkt an die Kulturfront, wo die weihevolle Kunstrezeption eine untergeordnete Rolle spielt. Hier geht es maßgeblich darum, Menschen über künstlerische Konsumartikel mit Botschaften zu erreichen, ohne daß diese Produkte deshalb sogleich allen Ernstes weder der dekorativen Pseudokunst, dem Legehennenkitsch, noch dem Cliquen-Akademismus anheim fallen müssen - nur um der Gefallsucht wegen. Kunst kommt nicht nur von Können, vielmehr von Künden, also von Künden können.

Zwar aufgeschlossen, aber wenig Knete? Kein Problem, dafür gibt es die Schenkformatigen,
die man zum Preis eines keinesfalls mageren Blumenstraußes erwerben und somit verschenken kann - zum Fest der Freude.

Willkommen im Stall mit Baum.

Tetjus Tügel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Dezemberausstellung 2009 "Stallnacht mit Baum, Kunst als Frage" - Koordination und Management: Ada K. Leddin u. Tetjus Tügel

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